Geschichte

Am 27. Februar 1906 wurde der Radfahrerverein Niederstotzingen von neun Männern gegründet, dessen erster Vorstand Georg Hofelich war. Als Vereinszweck wurde folgendes ausgegeben: die praktische Verwendung des Fahrrades zu zeigen, Wanderfahrten zu unternehmen und gesellige Unterhaltung zu pflegen. Das erste sportliche Auftreten erfolgte bei der Herbstfeier 1907. Damals stand das Rad noch als Fortbewegungsmittel im Vordergrund und nicht wie heute als Freizeitvergnügen und Sportgerät. Danach wurde eine Vereinsnadel angeschafft und Satzungen erarbeitet.

Bis 1914 reihten sich Fahrten, Rennen und Feste aneinander. Unter anderem konnte 1909 bei einem Korsowettbewerb in Langenau der erste Platz gewonnen werden. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden die ersten Mitglieder eingezogen und jegliche Tätigkeit erlosch.

 

Im Februar 1919 kamen unter dem Vorstand Georg Hofelich die alten Vereinsmitglieder, welche aus dem Krieg zurückkehren durften, wieder zusammen und der Verein lebte wieder auf. Nach dem Tod Georg Hofelich folgte ihm Martin Schenk als Vereinsvorstand nach. Zu den bisherigen Aktivitäten kam nun das Theaterspielen dazu, das sich bald großer Beliebtheit erfreute und viele Jahre lang betrieben wurde. Erfreulicherweise stieg die Mitgliederzahl an und man konnte unter anderem 1921 in Gundelfingen bei einer Ausfahrt den Meistbeteiligungspreis gewinnen. Man nahm viel an festlichen Anlässen anderer Vereine der Stadt und der Umgebung teil. Mit einem glänzenden Fest und Festzug feierte man am 21. Mai 1923 unter dem Vorsitzenden Keck die Bannerweihe mit Radrennen, Korsofahren und einem Festball. Im Jahr 1933 gab es eine Initiative der Radfahrer, die sie über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machte, es wurde das „Storchenhaus“ gestiftet, das künftig bei Ausfahrten mitgeführt wurde. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Vereinsarbeit wieder.

 

1949 kamen die Mitglieder unter dem alten Vorstand Bernhard Roth erneut wieder zusammen. In den folgenden Jahren wurde der Radsport in Form von Ausfahrten, Volksradfahren mit Renncharakter und Saalsport betrieben. Unter anderem gab es auch eine Disziplin, die sich Langsamfahren nannte, auch hierin waren die Niederstotzinger tätig und zeigten ganz im Sinne des Vereinszwecks, was man mit so einem Fahrrad alles machen konnte. Am 14. und 15. Juli 1956 fand das Goldene Jubiläum des RV mit Festbankett, Festzug, Korsofahren und radsportliche Veranstaltungen mit reger Beteiligung befreundeter Vereine statt. Gefeiert wurde im Festgarten des Gasthofs Krone, welches schon im Jahre 1949 zu unserm Vereinslokal bestimmt wurde. In den nachfolgenden Jahren befand sich das Vereinsleben leicht auf einer Talfahrt.

 

1969 trat Bernhard Roth als Vorsitzender zurück, neuer 1. Vorstand wurde Jakob Hiller. Mit dem Eintritt des aktiven Rennsportlers Georg Kretz ging es mit dem Vereinsleben wieder aufwärts. Dieser erklärte sich bereit Jugendliche für den Verein zu gewinnen, was ihm auch gelang. Die Stadt stellte im alten Schulhaus einen Saal für Übungszwecke zur Verfügung. Der Verein war aus seinem Winterschlaf erwacht und war in den folgenden Jahren bei verschiedenen Radsportveranstaltungen im Nachwuchsbereich wie auch bei den Aktiven erfolgreich.

Ende der 70er Jahre feierte der Verein im Bereich Kunstradsport erste große Erfolge, auch auf internationaler Bühne. Garant für diesen und die kommenden Erfolge war Otto Hartmann, der als Trainer das Kunstradfahren in Niederstotzingen für die nationale und internationale Bühne fit machte.

 

1981 wurde die 75-Jahr Feier durchgeführt. Hierbei waren wieder viele Gäste aus befreundeten Vereinen gekommen, die mit Vorführungen genauso beeindruckten wie der eigene Nachwuchs.

 

Neben dem Kunstradsport war das Volksradfahren ein Markenzeichen des Vereins in den folgenden Jahren. Daneben beteiligte sich der Radfahrerverein auch am Lindenfest und führte Altglassammlungen durch, um durch die Gewinne den Sport fördern zu können, der durch die eintretenden Erfolge mehr Investitionen verlangte. Die Kunstradler starteten bei Wettkämpfen bis zur internationelen Ebene und waren in Landes- und Bundeskader vertreten. 1986 wurde Claudia Bee Europameisterin im Kunstradfahren. Neben ihr waren auch unzählige andere Kunstradsportler auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene erfolgreich, auch international, wie zum Beispiel Andreas Mack mit der Vize-Europameisterschaft 1993. Dadurch wurde der Name RV Niederstotzingen über die Grenzen der Region hinaus bekannt.

 

1985 kam schließlich als weitere Sparte, die besonders heute für einen guten Ruf des Vereins sorgt, Radball dazu. Anfang der 90er Jahre kamen die von Günter Hartmann geleiteten AOK-Radtreffs hinzu, die seitdem Mitglieder und Nichtmitglieder gleichermaßen gesundheitsfördernd in Bewegung bringen.

1992 wuchs der Verein um eine weitere Sparte an, die Mountainbiker. Diese noch relativ junge Sportart boomte und brachte einen Mitgliederzuwachs. Achim Groh hatte die Mountainbike-Gruppe gegründet und führte sie mit viel Engagement zu ansehnlichen Erfolgen, als herausragendes Beispiel sei hier der Titel von Johannes Schwartz als Junioren-Bergweltmeister 1998 genannt. Für die ambitionierten Fahrer wurde später im Verein eine Leistungsgruppe gegründet, die systematisches Wettkampftraining betrieb und Fahrer auch aus entfernteren Orten in den Radfahrerverein brachte. Die bisher erfolgreichste Zeit unseres Vereins war verbunden mit dem Namen Gertrud Roth. Mit ihrem Tod im Amt im August 1998 verlor der Radfahrerverein eines seiner wichtigsten Mitglieder.

 

Die Mountainbikegruppe und die Leistungsgruppe wurden 2001 leider eingestellt, wegen mangelnder Nachfrage und dem Ausstieg von Achim Groh aus dem Wettkampfgeschehen und der Trainerposition. 2002 musste Mangels fehlender Nachfrage seitens der Bevölkerung auch das Volksradfahren eingestellt werden.

Das 100jährige Bestehen unseres Vereines wurde mit einem prächtigen Festwochenende im Juli 2006 gefeiert. Alle Abteilungen, unter anderem unsere neu gegründete Einradgruppe, zeigten interessante Wettkämpfe in ihren jeweiligen Sportarten und boten den vielen Gästen ein umfangreiches Bild unseres Vereines. Gekrönt wurde unser Jubiläumswochenende mit einem königlichen Festzug, der alle bisherigen Dimensionen sprengte.

Nachdem sich wieder einige Radsportler zu gemeinsamen Mountainbiketouren zusammenfanden wurde im Jahr 2008 erneut eine Mountainbikesparte gegründet. Im gleichen Jahr legte Otto Hartmann nach 34 äußerst erfolgreichen Jahren sein Amt als Kunstradtrainer aus Altersgründen nieder.

 

In den darauffolgenden Jahren wurden im Radball viele Erfolge gefeiert. Vor allem im Jugendbereich konnten eine Vielzahl an nationalen Titel errungen werden. Die Aktiven schafften sogar den Aufstieg bis in die 2. Radball-Bundesliga.

 

Heute besitzt der Radfahrerverein Niederstotzingen in einer immer stärker werdenden Konkurrenz zu anderen Vereinen und Freizeitmöglichkeiten eine sehr erfolgreiche Radballsparte, eine junge Einradgruppe, eine dynamische Mountainbikegruppe und ein vielseitiges Angebot im Breitensportbereich.